Lungenverletzungen beim Tauchen
Lungenverletzungen beim Tauchen entstehen fast immer beim Aufsteigen. Hier liest du, wie du vorbeugst und im Ernstfall richtig hilfst.
Ein Lungenbarotrauma ist eine Verletzung des Lungengewebes durch einen Druckunterschied zwischen der Luft in der Lunge und der Umgebung. Beim Tauchen passiert das fast immer beim Aufsteigen: Die Luft in der Lunge dehnt sich aus (siehe Gesetz von Boyle-Mariotte) und kann nicht entweichen – weil jemand den Atem anhält oder weil Teile der Lunge verschlossen sind.
Die wichtigste Regel: Atme beim Tauchen immer ruhig weiter und halte nie die Luft an – vor allem nicht beim Aufsteigen.
Airtrapping
Kann eingeatmete Luft aus den Lungenbläschen nicht rechtzeitig entweichen, spricht man von Airtrapping. Ursachen sind zum Beispiel chronische Lungenerkrankungen wie COPD, Asthma oder durch Allergien und Erkältungen verengte Bronchien mit viel Schleim. An Land bemerkt man das kaum. Beim Aufsteigen dehnt sich die eingeschlossene Luft aber aus, Lungenbläschen können reißen. Deshalb gilt: Mit Erkältung wird nicht getaucht.
Arterielle Gasembolie (AGE)
Die gefährlichste Form: Luft gelangt aus der verletzten Lunge in den arteriellen Blutkreislauf und kann Gefäße verschließen, etwa im Gehirn – ähnlich wie bei einem Schlaganfall. Die Anzeichen ähneln einer schweren Dekompressionskrankheit, treten aber meist unmittelbar nach dem Auftauchen auf: Schwindel, Verwirrtheit, Sehstörungen, Lähmungen, Schock bis zur Bewusstlosigkeit.
Als Taucher müssen wir keine Diagnose stellen, sondern sofort helfen: Notruf 112, 100 % Sauerstoff, bei Bedarf Herz-Lungen-Wiederbelebung.
Mediastinalemphysem
Beim Mediastinalemphysem gelangt Luft in den Raum zwischen den beiden Lungenflügeln, in dem Herz und große Blutgefäße liegen. Betroffene fühlen sich schwach, haben ein dumpfes Druckgefühl in der Brust und oft Atemnot. Auch hier: ärztliche Hilfe holen und Sauerstoff geben.
Pneumothorax
Reißt die Lunge an der Oberfläche, gelangt Luft in den Spalt zwischen Lunge und Brustwand. Der Lungenflügel fällt teilweise oder ganz zusammen. Typisch sind plötzliche, heftige Brustschmerzen, Atemnot und manchmal blutiger Husten. Ein Pneumothorax muss sofort ärztlich behandelt werden.
Subkutanes Emphysem
Es tritt oft zusammen mit dem Mediastinalemphysem auf: Luft wandert unter die Haut, meist an Hals, Nacken oder Schultern. Die Haut spannt, die Stimme kann sich verändern, und beim Darüberstreichen knistert es wie Schnee. Ärztlich abklären lassen und Sauerstoff geben.
Schnelle Hilfe bei Tauchunfällen
Bei allen Lungenverletzungen ist die schnelle Gabe von 100 % Sauerstoff entscheidend. Wie das richtig geht, lernst du in unserem Kurs Notfallsauerstoff (Oxygen Provider) – für dich und deine Tauchpartner.
Diese Informationen dienen der Auffrischung für Taucher und Tauchprofis und ersetzen keine ärztliche Beratung.
Lungenverletzungen beim Tauchen vorbeugen
Die meisten Lungenverletzungen beim Tauchen lassen sich vermeiden. Die wichtigste Regel kennst du schon: ruhig weiteratmen und nie die Luft anhalten. Dazu kommt ein langsamer Aufstieg mit höchstens 9 bis 10 Metern pro Minute. Am Ende machst du außerdem einen Sicherheitsstopp.
Gefährlich wird es vor allem bei einem unkontrollierten Aufstieg. Deshalb hilft auch gutes Tarieren, denn so steigst du nicht ungewollt nach oben. Behalte zudem deinen Luftvorrat im Blick. Wer plötzlich keine Luft mehr hat, gerät leicht in Panik und schießt nach oben.
Gesundheit und Tauchtauglichkeit
Manche Erkrankungen erhöhen das Risiko. Dazu zählen zum Beispiel Asthma, COPD oder ein früherer Pneumothorax. Auch eine akute Erkältung gehört dazu, weil Schleim die Bronchien verengt. Ob du trotzdem tauchen darfst, entscheidet ein Taucharzt.
Die Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin (GTÜM) rät unter 40 Jahren zu einer Untersuchung alle drei Jahre. Ab 40 empfiehlt sie die Untersuchung jährlich. So fallen Probleme an Lunge und Herz früh auf.
Auch Rauchen belastet die Lunge und kann die Bronchien verengen. Wer raucht, sollte das deshalb beim Taucharzt offen ansprechen. Und fühlst du dich am Tauchtag nicht fit, ist ein abgesagter Tauchgang immer die bessere Wahl. Der See ist nächste Woche schließlich auch noch da.
Was du im Kurs dafür trainierst
Schon im Open Water Diver übst du Situationen, die sonst gefährlich werden könnten. Du lernst zum Beispiel, Luft aus dem Oktopus deines Buddys zu atmen. Außerdem übst du den kontrollierten Notaufstieg. Dabei atmest du die ganze Zeit langsam aus, etwa mit einem leisen „Aaah“.
Im Rescue Diver gehst du dann einen Schritt weiter. Dort lernst du, Probleme bei anderen früh zu erkennen und im Notfall richtig zu handeln. So kannst du Lungenverletzungen beim Tauchen nicht nur vermeiden, sondern auch anderen helfen.
Weitere Fragen zu Lungenverletzungen
Das hängt vom Einzelfall ab. Ein Taucharzt prüft, wie stark dein Asthma ist und wodurch es ausgelöst wird. Erst danach steht fest, ob du tauchen darfst.
Ja. Atmest du Druckluft und steigst mit angehaltenem Atem auf, reicht schon die Tiefe eines Schwimmbeckens. Deshalb gilt die Atemregel ab dem ersten Atemzug unter Wasser.
Nein. Schleim und verengte Bronchien können Luft in der Lunge einschließen. Außerdem klappt der Druckausgleich in den Ohren oft nicht. Warte deshalb, bis du wieder ganz gesund bist.
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