Tiefenrausch und Gasvergiftungen
Der Tiefenrausch ist eine Stickstoffnarkose, die mit der Tiefe zunimmt. Hier erfährst du, wie du ihn erkennst und sicher damit umgehst.
Was ist der Tiefenrausch?
Der Tiefenrausch ist eine Stickstoffnarkose (englisch Nitrogen Narcosis). Stickstoff ist ein Inertgas, er geht im Körper keine chemischen Verbindungen ein. Unter hohem Partialdruck wirkt er aber auf das Nervensystem – ähnlich wie Alkohol. Wie stark, ist von Mensch zu Mensch und von Tag zu Tag verschieden. Viele Taucher spüren erste Anzeichen ab etwa 30 Metern.
Anzeichen
- Hochgefühl oder Angst
- verlangsamtes Denken, schlechte Entscheidungen
- Fixierung auf eine Sache, Tunnelblick
- Konzentrations- und Gedächtnisprobleme
- Fehler beim Ablesen von Computer und Finimeter
Gefährlich ist der Tiefenrausch, weil er schleichend kommt und Betroffene ihn oft selbst nicht bemerken. Alkohol, Medikamente, Müdigkeit, Kälte, Anstrengung und Stress verstärken ihn.
Was hilft?
Gegenmaßnahme: Ein paar Meter flacher tauchen. Die Wirkung lässt dann sofort nach – ganz ohne Nachwirkungen. Den Buddy im Blick behalten und bei Anzeichen gemeinsam aufsteigen.
Vorbeugen kannst du mit ausgeruhtem Körper, einer schrittweisen Annäherung an größere Tiefen und guter Planung. Technische Taucher nutzen für große Tiefen heliumhaltige Gemische, die nicht narkotisch wirken. Den sicheren Umgang mit Tiefe lernst du im Spezialkurs Tieftauchen.
Gasvergiftungen allgemein
Unter einer Gasvergiftung versteht man die Wirkung von Gasen, die unter erhöhtem Partialdruck geatmet werden. Je nach Gas sind das ganz unterschiedliche Beschwerden – die Stickstoffnarkose ist eine davon.
Sauerstoffvergiftung
Auch Sauerstoff wird unter hohem Partialdruck giftig. Die gefährlichste Form betrifft das Zentralnervensystem (ZNS-Sauerstoffvergiftung oder Paul-Bert-Effekt): Mögliche Anzeichen sind Sehstörungen, Ohrgeräusche, Übelkeit, Muskelzucken, Reizbarkeit, Schwindel – und ohne Vorwarnung Krämpfe, die unter Wasser zum Ertrinken führen können. Sporttaucher halten deshalb einen Sauerstoffpartialdruck von höchstens 1,4 bar ein. Mit Luft wird dieser Wert erst unterhalb von etwa 56 Metern erreicht, mit Nitrox deutlich früher.
Wer über viele Stunden einen Sauerstoffpartialdruck über etwa 0,5 bar atmet, kann außerdem die Lunge schädigen (Lorrain-Smith-Effekt) – das betrifft vor allem lange technische Tauchgänge und Druckkammerbehandlungen.
Kohlendioxid und Kohlenmonoxid
Kohlendioxid (CO₂) atmest du ständig aus. In der Luft ist es nur zu etwa 0,04 % enthalten. Zu viel CO₂ im Körper entsteht beim Tauchen vor allem durch Anstrengung und flaches, schnelles Atmen – die Folge sind Kopfschmerzen, Atemnot und ein höheres Risiko für Tiefenrausch. Ruhig und tief atmen hilft.
Kohlenmonoxid (CO) entsteht bei unvollständiger Verbrennung, etwa wenn der Kompressor Abgase ansaugt. Es bindet sich etwa 200- bis 300-mal stärker an die roten Blutkörperchen als Sauerstoff und blockiert den Sauerstofftransport. Typisch sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen bis hin zur Bewusstlosigkeit. Deshalb nur Flaschen von geprüften Füllstationen verwenden. Bei Verdacht: 100 % Sauerstoff geben und ärztliche Hilfe holen. Wie das geht, lernst du im Kurs Notfallsauerstoff (Oxygen Provider).
Tiefenrausch beim Buddy erkennen
Den eigenen Tiefenrausch bemerkst du oft nicht. Deshalb ist der Blick auf den Buddy so wichtig. Achte zum Beispiel darauf, ob er auf Zeichen nicht mehr reagiert oder starr auf einen Punkt schaut. Auch ungewöhnliches Verhalten ist ein Hinweis, etwa grundloses Lachen, Hektik oder plötzliche Angst.
Merkst du so etwas, nimm Kontakt auf und gib das Zeichen für „Etwas stimmt nicht“. Dann taucht ihr gemeinsam ein paar Meter flacher. Meist bessert sich der Zustand sofort. Im Spezialkurs Tieftauchen vergleichst du übrigens, wie schnell du eine einfache Aufgabe an der Oberfläche und in der Tiefe löst. So erlebst du den Effekt selbst, unter Aufsicht und in Ruhe.
Tiefe Schritt für Schritt: Grenzen und Kurse
Gegen den Tiefenrausch hilft vor allem Erfahrung mit Tiefe in kleinen Schritten. Mit dem Open Water Diver tauchst du bis 18 Meter, mit dem Advanced Open Water Diver bis 30 Meter. Der Spezialkurs Tieftauchen führt dich schließlich bis 40 Meter.
In NRW gibt es Seen, die so tief sind. Rursee, Blausteinsee und Sorpesee reichen bis etwa 40 Meter, der See im Berg sogar bis 45 Meter. Dort ist es in der Tiefe allerdings dunkel und kalt. Beides kann den Rausch verstärken. Plane tiefe Tauchgänge daher nur, wenn du ausgeruht und gut ausgerüstet bist. Eine starke Lampe hilft zudem, in der Dunkelheit den Überblick zu behalten. Eine Übersicht der Seen findest du bei den Tauchplätzen.
Weitere Fragen zum Tiefenrausch
Mit Erfahrung fühlen sich viele Taucher in der Tiefe sicherer. Tests zeigen aber, dass Denken und Reaktion trotzdem nachlassen. Verlass dich also nicht auf dein Gefühl, sondern auf deine Planung.
Nitrox enthält weniger Stickstoff. Fachleute gehen aber davon aus, dass auch Sauerstoff unter Druck narkotisch wirkt. Rechne deshalb nicht damit, mit Nitrox klarer zu bleiben. Zudem begrenzt Nitrox ohnehin die maximale Tiefe.
Viele Taucher spüren erste Anzeichen ab etwa 30 Metern. Die Grenze ist aber nicht fest. Müdigkeit, Kälte oder Alkohol am Vortag können den Rausch schon früher auslösen.
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